Einleitung
An den Ufern der Pekel Aa entstand vor gut vierhundert Jahren vielleicht die schönste Moorkolonie der Niederlande. Schon von Beginn an konnte von einer blühenden Siedlung voll Unternehmungsgeist und Dynamik gesprochen werden. Schließlich war bereits am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, als die Moorbesiedelung entlang der Pekel Aa auf ihrem Höhepunkt war, eine eindrucksvolle ‘Stadtstraße’ mitten auf dem Lande entstanden, die wohl einzigartig auf der Welt war. Vor allem Oude Pekela konnte zu diesem Zeitpunkt als ein Städtchen charakterisiert werden, das nur aus einer einzigen langen Straße bestand. Diese Siedlung bildete zusammen mit Hoogezand-Sappemeer die Wiege der niederländischen Industrie. Hier entstand mit der Kartonagenherstellung, den Ziegelbrennereien, den Schiffswerften und den Zulieferbetrieben eine moderne industrielle Infrastruktur für Verkehr und Transport.
Wenn wir einen willkürlichen Moment wählen, sagen wir 1930, dann fällt sofort die städtische Erscheinungsform von Oude Pekela auf. In diesem Jahr hatte die Strohkartonindustrie sieben Niederlassungen im Dorf. Nicht weniger als 760 Arbeiter wa-ren hier beschäftigt. Wenn wir die Arbeiter auf den Schiffswerften, in den Mühlen, den Seilereien u. s. w. mitrechnen, dann arbeiteten 1930 alleine in Oude Pekela schon 1286 Arbeiter in Industrie und Gewerbe. Das bedeutete, dass 51 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung in der Industrie beschäftigt waren und Oude Pekela da-mit zu den am stärksten industrialisierten Dörfern der Niederlande und weit darüber hinaus gehörte.
Die wirtschaftliche Betätigung der Betriebe führte zu starkem Verkehr auf den zahlreichen Kanälen. 1930 fuhren gut 90.000 Schiffe durch die Schleusen in der Pekel Aa. Das führte zu einem prächtigen Bild mit einem Kanal voller Schiffe, an dessen Ufern Fabriken und Werften mit rauchenden
Schornsteinen standen. Man handelte mit Ländern auf der ganzen Welt. Oude Pekela war nicht nur ein kleiner Ort in den Niederlanden, sondern ein Teil des industriellen Zentrums des British Empire. Die Fabriken trugen darum auch Namen wie ‘Britannia’ und ‘Albion’. In Pekela und in Hoogezand wurden die Zugfahrkarten für alle Eisenbahnen im Britischen Reich hergestellt und bis heute kann man in abgelegenen Gegenden in Afrika und China hiervon noch Exemplare finden. An den Ufern der Pekel Aa wurden damals schon Familienverpackungen für Kaffee und Tee gefertigt, in einer Periode, in der in den restlichen Niederlanden die Waren noch in Fässern in den Läden standen.
In diesem Umfeld entstanden neue Formen von Arbeitsverhältnissen. Ein neuer Arbeitertyp entstand, dessen Arbeit Handelsware geworden war und der nicht wie der im Hause wohnende Bauernknecht durch patriarchalische Bande an seinen Arbeitgeber gebunden war. Er war frei, war sich seiner Position bewusst und konnte auch als Gruppe den Lohn aushandeln und bestimmte Arbeitsbedingungen fordern. Kurzum, der moderne Arbeiter war geboren.
Auch ein Stück weiter in Richtung Nieuwe Pekela veränderte sich die Welt. Hier waren große Bauernhöfe mit moderner Betriebsführung angesiedelt. Auch viele Reede-reien hatten hier ihren Standort gewählt. Mit ihrer großen Flotte transportierten die Reeder und Kapitäne ihre Produkte in viele überseeische Länder. Zahlreiche Pekelder reisten so um die Welt. Auf ihren Retourefahrten nahmen sie Produkte mit, die wiederum zur industriellen Aktivität in ihrer Heimat beitrugen, wie z. B. die Fabrikation von Zigarren und die Herstellung von Wein.
All diese Aktivitäten leisteten einer dynamischen Gesellschaft Vorschub. Das stieß in den umliegenden Dörfern oft auf Verständnislosigkeit. Die Pekelder waren individualistisch eingestellt, traten für ihre Rechte ein und entspannten sich oft auf eine städti-sche Weise. Die Einwohner dieser Kolonie wurden von Außenstehenden dann auch oft als roh und aufdringlich charakterisiert. Die im Volksmund gebräuchliche Typisierung ‘Pekelder Roegbainder’ ist dann auch sehr begreiflich.
Auch räumlich entstand ein besonderes Ganzes. Entlang der Kanäle und zwischen den Seitenkanälen und Brücken standen viele, meist große industrielle Gebäude und Komplexe. Auch befanden sich hier die oft prächtigen Direktorenhäuser, viele schöne Geschäfte, die Häuser der Arbeiter, zahlreiche Kirchen, Behördengebäude und die Häuser der Schleusenwärter. Dieses Bild besteht im Großen und Ganzen auch heute noch, obwohl im Einzelfall bereits große Lücken bestehen. Es ist daher wichtig zu erkennen, welche große kulturhistorische Position die Siedlung entlang der Pekel Aa hat, da hier eine wichtige Erbschaft für die nachfolgenden Generationen vorliegt.
Frühe Urbarmacher
Vor dem Beginn des siebzehnten Jahrhunderts war das Bourtanger Moor eine sehr abweisende Gegend, die aus sumpfigen, unwirtlichen und für den Menschen gefährlichen Mooren mit wenigen Hügeln und Sandrücken bestand. Auf den Sandrücken, den so genannten Tangen, hat man Reste von der ältesten Bebauung des Gebietes gefunden. An den Rändern der Tangen lagen ursprünglich die Verbindungsstraßen und wenn es nötig war, waren Moordeiche aufgeschüttet, die ein Bindeglied im ein-fachen Verkehrsnetz bildeten. Der spätere Veendijk in Oude Pekela bildete ein solches Bindeglied in der Straße, die aus dem Osten über Bourtange nach Westerwolde und über das hochgelegene Westerlee zum Kloster von Heiligerlee führte. Eine andere Straße an der Nordseite des Bourtanger Moors ging von Deutschland aus über Blijham und die Winschoter Garst zum Kloosterholt.
Durch das Gebiet schlängelten sich einige Moorbäche. Einer davon war die Pekel Aa. An den Ufern dieses kleinen Flüsschens lagen hier und da Wiesen, die als Heu- und Weidewiesen geeignet waren. Diese zogen ab circa 1200 Bauern aus Winscho-ten an, die sich vor allem am Unterlauf des Flüsschens niederließen. Um Brennstoff zu bekommen, stachen die Bauernpioniere an den Rändern des Moors den Torf. Auch an anderen Stellen fand dieses Torfstechen am Rande des Hochmoorkomplexes in kleinem Maßstab statt.
Die Klöster von Heiligerlee, Ter Apel, Essen bei Groningen und die mächtige Abtei von Aduard wurden Eigentümer großer Teile des Bourtanger Moors. Dieses hatte für die spätere Entwicklung der Gegend eine große Bedeutung, denn als 1594 Stadt und Umland eine Provinz unter protestantischer Verwaltung wurden, wurde der Besitz der Klöster enteignet. Die Stadt Groningen erwarb damals große Moorkomplexe.
Torfstechen
War das Torfstechen im Hochmoor im Mittelalter wohl eher vergleichbar mit ‘Knabbern an den Rändern’ so begann im so genannten Goldenen Jahrhundert die Freile-gung großer Gebietsflächen. Das Kaufmannspatriziat und adelige Herren aus Gro-ningen, Friesland, Utrecht und Holland sahen Möglichkeiten, ihr Kapital in gewinnbringender Moornutzung anzulegen und schlossen sich deshalb zusammen. Zuerst hatte man das Gebiet beiderseits der Pekel Aa im Auge. Einige Friesen und Hollän-der kauften 1598 von den Grundbesitzern der Stadt Winschoten ein Stück Moor südlich der Stadt und schlossen am 21. Juni 1599 einen Vertrag, mit dem die so genannte ‘Friese Compagnie’ gegründet wurde.
Das Ziel dieser Transaktion war klar: die Compagnie, die aus vier Personen bestand, wollte die Moorschicht abgraben und den dabei anfallenden Torf in der Stadt Groningen, in Holland und anderen stark bevölkerten Gegenden verkaufen. Dort wurde der gute Brenntorf dringend benötigt, weil der Holzvorrat nur begrenzt war. Außerdem wurden Häuser immer häufiger aus Stein gebaut, der unter dem Aufwand enormer Mengen Torf gebrannt werden musste. Die Compagnie verbreiterte und vertiefte zuerst den Unterlauf der Pekel Aa für eine bessere Entwässerung des Moores und die Verbesserung der Transportmöglichkeiten. Beim heutigen Wedderweg baute man eine kleine Kammerschleuse um den Wasserstand zu regulieren. Je mehr die Abtragung Richtung Oberlauf der Pekel Aa fortschritt, veränderte sich das kleine Flüss-chen an vielen Stellen in den kerzengeraden Pekelhoofddiep, der im Lauf der Jahrhunderte eine sehr wichtige Rolle spielen sollte.
Die große Betriebsamkeit am Kanal lockte viele Menschen aus umliegenden Bereichen an. Eine bunt gefächerte Bevölkerung von Tagelöhnern, Arbeitern, Gewerbetreibenden, Handwerkern, Schiffern und bald auch Bauern ließ sich vom untersten Teil beginnend an beiden Ufern des Pekelhoofddieps nieder. Das Tief wurde die Achse, um die sich das Leben in Pekela drehte.
‘Ein schöner Ort’
Vor allem, nachdem Feiko Allens Clock sich ab 1628 mit der Torfstecherei beschäftigte, verlief der Prozess des Abbaus sehr schnell. Dieser im Jahr 1604 geborene Leeuwarder kam durch Erbschaft und Kauf in den Besitz großer Moorflächen in der Nähe von Pekela. Nicht nur beim Abgraben des Torfes spielte Clock eine Hauptrolle, er hatte auch einen großen Anteil daran, dass seine Arbeiter ordentliche Unterkünfte bekamen. Schließlich haben seine Anstrengungen dazu geführt, dass Pekela 1640 die Erlau
bnis von der Stadt Groningen bekam, eine Kirche zu bauen und dort einen Pfarrer und einen Küster anzustellen. Damit hielt Zucht und Ordnung Einzug in die neue Kolonie.
Etwa zur Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts übernahm die Stadt Groningen die Stelle des Kaufmanns Clock als großer Torfstecher. Der Stadt gelang es, den größten Teil der Pekelder Moore zu erwerben. Letztlich waren die anschließend von den Stadträten getroffenen Anordnungen segensreich für die Entwicklung der Gemeinde Pekela. Das Graben des Kanals und die Torfstecherei wurden fortan systematisch vorangebracht. Die Anordnungen bestimmten, dass die Torfabbauflächen nicht ohne Renaturierung belassen werden durften. Der Boden musste ’zugemacht’ werden, so dass guter Ackerboden entstand auf dem sich Bauern gerne niederließen. Mit den vielen Bauernhöfen insbesondere an den Seitenkanälen des Pekelderhoofddiep wurde Pekela ein schöner Ort.
Auf dem Wasser
Es waren nicht ausschließlich die agrarischen Aktivitäten die Pekela zu dem Ort machen sollten, den die heutigen Generationen von den mutigen Vorfahren geerbt haben. In Pekela war das unterste Siel ein wichtiger Umschlagplatz für Torf. Mit Schuten und Lastkähnen wurde das ‘braune Gold‘ aus dem Moor abtransportiert, um unterhalb der Schleuse in große Tjalken umgeladen zu werden. Diese fuhren dann in den Norden und erreichten über den Dollart auch norddeutsche Städte.
Schiffbau
Die Torfschiffer waren die Begründer der moorkolonialen Schifffahrt. Am Ende des achtzehnten Jahrhunderts hatte die Seeschifffahrt hierbei einen wichtigen Anteil. Um 1800 war der Pekelder Schiffer auf offener See ein echter Frachtschiffer geworden und es dauerte nicht lange, bis man sein Schiff in den Nord- und Ostseehäfen, an der baltischen Küste, in England und Frankreich sah. Die kleine Galeere, der Scho-ner und die Brigg brachten ihn in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts auch in das Mittelmeer und sogar nach Nord- und Südamerika.

Die Entwicklung führte wie von selbst von der Schifffahrt zum Schiffbau. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte Pekela zwanzig kleine und große Schiffswerften, und zusätzlich einige Segel-, Mast-, Pumpen- und Flaschenzugwerkstätten, Seilereien und Schmieden. Als etwa 1870 die Seeschifffahrt für die Pekelder unwichtiger wurde, ging es natürlich auch mit den Zulieferbetrieben wieder bergab.
Es versteht sich von selbst, dass die größeren in Pekela gebauten Schiffe dort nicht wieder gesehen wurden, da dazu der Kanal zu schmal und zu seicht war. Die Schiffe liefen lediglich in Pekela vom Stapel, der endgültige Ausbau und das Auftakeln fanden jedoch in anderen Werkstätten in tieferem Wasser statt. Das Erreichen dieses tieferen Wassers mit den großen, noch nicht endgültig fertig gestellten Schiffen war sehr mühsam. Vor allem in Oude Pekela, wo sich heutzutage das Pekelhoofddiep an manchen Stellen noch pittoresk durch das Dorf schlängelt, war die Fahrt für große Schiffe praktisch unmöglich.
Ein wichtiges Hindernis in der freien Fahrt war das Bultsterverlaat. Wenn dort ein großes Schiff ankam, wie 1864 die Brigg Palmer mit einem Bruttogewicht von 215 Tonnen, dann schlug man mit aller Macht Spundwände vor die Schleusentüren und hinter der Brigg an die Oberseite. Dann pumpten Arbeiter den Raum zwischen den Spundwänden mit Wasser voll, sodass das Schiff gekippt werden konnte und der Kiel drei Fuß oberhalb der Wasseroberfläche herausragte. So konnte das Schiff Schritt für Schrift durch die Schleusen fahren und nachdem der unterste Damm ent-fernt worden war seinen Weg zur See fortsetzen.
Wieder Arbeit
Die bis dato intensiv betriebenen alten Industriezweige wurden nach und nach durch neue Bereiche in ungeahntem Ausmaß ersetzt. Die agrarischen Industrien stellten so viele Arbeitsplätze zur Verfügung, dass ein erneuter Zustrom von Einwohnern nach Pekela einsetzte. Schon früh im neunzehnten Jahrhundert gab es Unternehmer, die aus Kartoffeln Malzwein zubereiteten. Sie waren jedoch der Konkurrenz des Schie-dammer Jenever nicht gewachsen und verschwanden nach einiger Zeit wieder aus Pekela. Am unteren Ende von Oude Pekela entstand jedoch eine Kartoffelmehlfabrik zu der später noch eine Fabrik in der Verlaatjeswijk hinzukam. Aber auch die Existenz dieser Unternehmen war nicht von langer Dauer. Das erste war schon vor der Jahrhundertswende verschwunden, das zweite dehnte seinen Betrieb noch bis in die zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts aus.
Mehr Erfolg hatte die genossenschaftliche Boerenfabriek am Doorsnee in Nieuwe Pekela. Sie arbeitete ab 1900 bis zur Stilllegung der Produktion in den siebziger Jahren. In Oude Pekela war die Gründung von acht Strohkartonfabriken um die Jahrhundertwende herum von ausschlaggebender Bedeutung für die Entwicklung des Dorfes. Diese Industrie siedelte sich wahrscheinlich in Pekela an, weil der Ort mit seiner typisch moorkolonialen Infrastruktur am dichtesten an der größten so genannten Kornscheune der Niederlande, dem Oldambt lag. 1875 wurde dort die erste Strohkartonfabrik von Mulder und Edens gegründet, die einen Ostfriesen als Techniker in Dienst nahmen. Dieser Elso Free wurde einige Jahre später Unternehmer und Gründer und Mitbesitzer einiger Fabriken.
Kartondorf Nummer Eins
Außer der Aastroom und den Free-Fabriken hatte Oude Pekela auch noch die Erica (1889), die Wilhelmina (1896), die Ceres (1898) und die Kroon (1901). Obwohl Aastroom und Wilhelmina schon vor dem Krieg ihre Pforten schlossen, blieb die Moorkolonie am Pekelderhoofddiep bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg Kartondorf Nummer Eins. In den siebziger Jahren verringerte sich die Zahl der Standorte als Folge der Umstrukturierung in der Kartonindustrie stark, doch blieb dieser Industrie-zweig insbesondere nachdem man mit der Produktion von massivem Karton aus Altpapier angefangen hat, für Pekela von eminenter Wichtigkeit.
Nieuwe Pekela war in erster Linie eine agraische Gemeinde. Das galt im Besonderen für das Gebiet oberhalb der Doorsnee, wovon der am dichtesten bevölkerte Teil den Status eines Dorfes (Boven Pekela) bekommen hatte. In Nieuwe Pekela wurde kurz vor dem Zweiten Weltkrieg eine Papierfabrik gegründet, die aus Altpapier Karton herstellte. Zu dieser Zeit waren insbesondere die Papier-, die Früchtewein-, die Zi-garren-, die Kartonagen-, und die Trikotagenfabrik wichtig für die industrielle Betrieb-samkeit in Nieuwe Pekela.
Ein Band von zwölf Kilometern
Am Pekelderhoofddiep entlang entstand das für die Moorkolonien so charakteristische Straßendorf, weil die Torfstecher, die Bauern und die Handwerker sich beidseitig des Kanals niederließen. Die Länge der Gemeinde, gemessen am Diep entlang von der Grenze mit Winschoten bis nach Stadskanaal entspricht ungefähr einer Strecke von zwölf Kilometern. Vor allem in Oude Pekela fand am Ende des neunzehnten Jahrhunderts als Folge der stürmischen Bevölkerungsentwicklung durch die Industrialisierung die Bebauung entlang der Nebenkanäle statt.
Bildung einer geschlossenen Ortschaft
Die lang gestreckte Form der Gemeinde empfand man für die Entfaltung des Gemeinschaftslebens in Pekela als ungünstig. Um das Dorfleben zu stimulieren, sind nach dem Zweiten Weltkrieg einige Erweiterungsplätze entstanden, die die Bildung einer geschlossenen Ortschaft vorantrieben. Hierdurch wurde die so charakteristi-sche Struktur der moorkolonialen Landschaft gestört. Dieser Prozess wurde vor allem in der ehemaligen Gemeinde Nieuwe Pekela noch durch die Entfernung von Brücken und die gleichzeitige Anlage von Dämmen an deren Stelle und dem Zuschütten der meisten Nebenkanälen beschleunigt. Diese Entwicklung war insbesondere Folge der Verlagerung der Transporte vom Wasser auf die Straße.
Seit den siebziger Jahren wurden Stimmen laut, das Pekelderhoofddiep zuzuschütten des Gebietes wurde der Wildervanckkanal gegraben. Die Brücken und die schmale Hauptstraße waren für den Verkehr zu schmal. Es kam noch hinzu, dass das Pekelderhoofddiep unter Oude Pekela durch die vielen Strohkartonfabriken außergewöhnlich stark verschmutzt war. Doch konnte das Diep dort als offener Abwasserkanal nicht entbehrt werden. Schließlich wurde beschlossen, die historische moorkoloniale Struktur zu erhalten und den Kanal nicht zuzuschütten. Schließlich bestimmte das Wasser maßgeblich die Entwicklung und den Charakter der Gemein-de Pekela.
Die Geschichte der drei Dörfer, die zusammen die Pekela´s bilden, begann vor gut vierhundert Jahren mit dem systematischen Torfabbau im Gebiet entlang der Pekel Aa. Unternehmungsgeist und Dynamik charakterisierten die folgenden Jahrhunderte. Es fand eine enorme Entwicklung von Landwirtschaft, Schifffahrt und Industrie in den Dörfern statt. So hatte Oude Pekela um 1930 sieben Strohkartonfabriken. 51,5 Prozent der Arbeiter waren in der Industrie beschäftigt. Boven Pekela war eine typisch agraische Gemeinde. Nieuwe Pekela war lange Zeit ein Zentrum des überseeischen Handels, es gab sogar eine Periode in der gut 90.000 Schiffe jährlich das Pekelderhoofddiep befuhren.
An den Ufern der Pekel Aa entstand vor gut vierhundert Jahren vielleicht die schönste Moorkolonie der Niederlande. Schon von Beginn an konnte von einer blühenden Siedlung voll Unternehmungsgeist und Dynamik gesprochen werden. Schließlich war bereits am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, als die Moorbesiedelung entlang der Pekel Aa auf ihrem Höhepunkt war, eine eindrucksvolle ‘Stadtstraße’ mitten auf dem Lande entstanden, die wohl einzigartig auf der Welt war. Vor allem Oude Pekela konnte zu diesem Zeitpunkt als ein Städtchen charakterisiert werden, das nur aus einer einzigen langen Straße bestand. Diese Siedlung bildete zusammen mit Hoogezand-Sappemeer die Wiege der niederländischen Industrie. Hier entstand mit der Kartonagenherstellung, den Ziegelbrennereien, den Schiffswerften und den Zulieferbetrieben eine moderne industrielle Infrastruktur für Verkehr und Transport.
Wenn wir einen willkürlichen Moment wählen, sagen wir 1930, dann fällt sofort die städtische Erscheinungsform von Oude Pekela auf. In diesem Jahr hatte die Strohkartonindustrie sieben Niederlassungen im Dorf. Nicht weniger als 760 Arbeiter wa-ren hier beschäftigt. Wenn wir die Arbeiter auf den Schiffswerften, in den Mühlen, den Seilereien u. s. w. mitrechnen, dann arbeiteten 1930 alleine in Oude Pekela schon 1286 Arbeiter in Industrie und Gewerbe. Das bedeutete, dass 51 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung in der Industrie beschäftigt waren und Oude Pekela da-mit zu den am stärksten industrialisierten Dörfern der Niederlande und weit darüber hinaus gehörte.
Die wirtschaftliche Betätigung der Betriebe führte zu starkem Verkehr auf den zahlreichen Kanälen. 1930 fuhren gut 90.000 Schiffe durch die Schleusen in der Pekel Aa. Das führte zu einem prächtigen Bild mit einem Kanal voller Schiffe, an dessen Ufern Fabriken und Werften mit rauchenden
Schornsteinen standen. Man handelte mit Ländern auf der ganzen Welt. Oude Pekela war nicht nur ein kleiner Ort in den Niederlanden, sondern ein Teil des industriellen Zentrums des British Empire. Die Fabriken trugen darum auch Namen wie ‘Britannia’ und ‘Albion’. In Pekela und in Hoogezand wurden die Zugfahrkarten für alle Eisenbahnen im Britischen Reich hergestellt und bis heute kann man in abgelegenen Gegenden in Afrika und China hiervon noch Exemplare finden. An den Ufern der Pekel Aa wurden damals schon Familienverpackungen für Kaffee und Tee gefertigt, in einer Periode, in der in den restlichen Niederlanden die Waren noch in Fässern in den Läden standen. In diesem Umfeld entstanden neue Formen von Arbeitsverhältnissen. Ein neuer Arbeitertyp entstand, dessen Arbeit Handelsware geworden war und der nicht wie der im Hause wohnende Bauernknecht durch patriarchalische Bande an seinen Arbeitgeber gebunden war. Er war frei, war sich seiner Position bewusst und konnte auch als Gruppe den Lohn aushandeln und bestimmte Arbeitsbedingungen fordern. Kurzum, der moderne Arbeiter war geboren.
Auch ein Stück weiter in Richtung Nieuwe Pekela veränderte sich die Welt. Hier waren große Bauernhöfe mit moderner Betriebsführung angesiedelt. Auch viele Reede-reien hatten hier ihren Standort gewählt. Mit ihrer großen Flotte transportierten die Reeder und Kapitäne ihre Produkte in viele überseeische Länder. Zahlreiche Pekelder reisten so um die Welt. Auf ihren Retourefahrten nahmen sie Produkte mit, die wiederum zur industriellen Aktivität in ihrer Heimat beitrugen, wie z. B. die Fabrikation von Zigarren und die Herstellung von Wein.
All diese Aktivitäten leisteten einer dynamischen Gesellschaft Vorschub. Das stieß in den umliegenden Dörfern oft auf Verständnislosigkeit. Die Pekelder waren individualistisch eingestellt, traten für ihre Rechte ein und entspannten sich oft auf eine städti-sche Weise. Die Einwohner dieser Kolonie wurden von Außenstehenden dann auch oft als roh und aufdringlich charakterisiert. Die im Volksmund gebräuchliche Typisierung ‘Pekelder Roegbainder’ ist dann auch sehr begreiflich.
Auch räumlich entstand ein besonderes Ganzes. Entlang der Kanäle und zwischen den Seitenkanälen und Brücken standen viele, meist große industrielle Gebäude und Komplexe. Auch befanden sich hier die oft prächtigen Direktorenhäuser, viele schöne Geschäfte, die Häuser der Arbeiter, zahlreiche Kirchen, Behördengebäude und die Häuser der Schleusenwärter. Dieses Bild besteht im Großen und Ganzen auch heute noch, obwohl im Einzelfall bereits große Lücken bestehen. Es ist daher wichtig zu erkennen, welche große kulturhistorische Position die Siedlung entlang der Pekel Aa hat, da hier eine wichtige Erbschaft für die nachfolgenden Generationen vorliegt.
Frühe Urbarmacher
Vor dem Beginn des siebzehnten Jahrhunderts war das Bourtanger Moor eine sehr abweisende Gegend, die aus sumpfigen, unwirtlichen und für den Menschen gefährlichen Mooren mit wenigen Hügeln und Sandrücken bestand. Auf den Sandrücken, den so genannten Tangen, hat man Reste von der ältesten Bebauung des Gebietes gefunden. An den Rändern der Tangen lagen ursprünglich die Verbindungsstraßen und wenn es nötig war, waren Moordeiche aufgeschüttet, die ein Bindeglied im ein-fachen Verkehrsnetz bildeten. Der spätere Veendijk in Oude Pekela bildete ein solches Bindeglied in der Straße, die aus dem Osten über Bourtange nach Westerwolde und über das hochgelegene Westerlee zum Kloster von Heiligerlee führte. Eine andere Straße an der Nordseite des Bourtanger Moors ging von Deutschland aus über Blijham und die Winschoter Garst zum Kloosterholt.
Durch das Gebiet schlängelten sich einige Moorbäche. Einer davon war die Pekel Aa. An den Ufern dieses kleinen Flüsschens lagen hier und da Wiesen, die als Heu- und Weidewiesen geeignet waren. Diese zogen ab circa 1200 Bauern aus Winscho-ten an, die sich vor allem am Unterlauf des Flüsschens niederließen. Um Brennstoff zu bekommen, stachen die Bauernpioniere an den Rändern des Moors den Torf. Auch an anderen Stellen fand dieses Torfstechen am Rande des Hochmoorkomplexes in kleinem Maßstab statt.
Die Klöster von Heiligerlee, Ter Apel, Essen bei Groningen und die mächtige Abtei von Aduard wurden Eigentümer großer Teile des Bourtanger Moors. Dieses hatte für die spätere Entwicklung der Gegend eine große Bedeutung, denn als 1594 Stadt und Umland eine Provinz unter protestantischer Verwaltung wurden, wurde der Besitz der Klöster enteignet. Die Stadt Groningen erwarb damals große Moorkomplexe.
Torfstechen
War das Torfstechen im Hochmoor im Mittelalter wohl eher vergleichbar mit ‘Knabbern an den Rändern’ so begann im so genannten Goldenen Jahrhundert die Freile-gung großer Gebietsflächen. Das Kaufmannspatriziat und adelige Herren aus Gro-ningen, Friesland, Utrecht und Holland sahen Möglichkeiten, ihr Kapital in gewinnbringender Moornutzung anzulegen und schlossen sich deshalb zusammen. Zuerst hatte man das Gebiet beiderseits der Pekel Aa im Auge. Einige Friesen und Hollän-der kauften 1598 von den Grundbesitzern der Stadt Winschoten ein Stück Moor südlich der Stadt und schlossen am 21. Juni 1599 einen Vertrag, mit dem die so genannte ‘Friese Compagnie’ gegründet wurde.
Das Ziel dieser Transaktion war klar: die Compagnie, die aus vier Personen bestand, wollte die Moorschicht abgraben und den dabei anfallenden Torf in der Stadt Groningen, in Holland und anderen stark bevölkerten Gegenden verkaufen. Dort wurde der gute Brenntorf dringend benötigt, weil der Holzvorrat nur begrenzt war. Außerdem wurden Häuser immer häufiger aus Stein gebaut, der unter dem Aufwand enormer Mengen Torf gebrannt werden musste. Die Compagnie verbreiterte und vertiefte zuerst den Unterlauf der Pekel Aa für eine bessere Entwässerung des Moores und die Verbesserung der Transportmöglichkeiten. Beim heutigen Wedderweg baute man eine kleine Kammerschleuse um den Wasserstand zu regulieren. Je mehr die Abtragung Richtung Oberlauf der Pekel Aa fortschritt, veränderte sich das kleine Flüss-chen an vielen Stellen in den kerzengeraden Pekelhoofddiep, der im Lauf der Jahrhunderte eine sehr wichtige Rolle spielen sollte.
Die große Betriebsamkeit am Kanal lockte viele Menschen aus umliegenden Bereichen an. Eine bunt gefächerte Bevölkerung von Tagelöhnern, Arbeitern, Gewerbetreibenden, Handwerkern, Schiffern und bald auch Bauern ließ sich vom untersten Teil beginnend an beiden Ufern des Pekelhoofddieps nieder. Das Tief wurde die Achse, um die sich das Leben in Pekela drehte.
‘Ein schöner Ort’
Vor allem, nachdem Feiko Allens Clock sich ab 1628 mit der Torfstecherei beschäftigte, verlief der Prozess des Abbaus sehr schnell. Dieser im Jahr 1604 geborene Leeuwarder kam durch Erbschaft und Kauf in den Besitz großer Moorflächen in der Nähe von Pekela. Nicht nur beim Abgraben des Torfes spielte Clock eine Hauptrolle, er hatte auch einen großen Anteil daran, dass seine Arbeiter ordentliche Unterkünfte bekamen. Schließlich haben seine Anstrengungen dazu geführt, dass Pekela 1640 die Erlau
Etwa zur Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts übernahm die Stadt Groningen die Stelle des Kaufmanns Clock als großer Torfstecher. Der Stadt gelang es, den größten Teil der Pekelder Moore zu erwerben. Letztlich waren die anschließend von den Stadträten getroffenen Anordnungen segensreich für die Entwicklung der Gemeinde Pekela. Das Graben des Kanals und die Torfstecherei wurden fortan systematisch vorangebracht. Die Anordnungen bestimmten, dass die Torfabbauflächen nicht ohne Renaturierung belassen werden durften. Der Boden musste ’zugemacht’ werden, so dass guter Ackerboden entstand auf dem sich Bauern gerne niederließen. Mit den vielen Bauernhöfen insbesondere an den Seitenkanälen des Pekelderhoofddiep wurde Pekela ein schöner Ort.
Auf dem Wasser
Es waren nicht ausschließlich die agrarischen Aktivitäten die Pekela zu dem Ort machen sollten, den die heutigen Generationen von den mutigen Vorfahren geerbt haben. In Pekela war das unterste Siel ein wichtiger Umschlagplatz für Torf. Mit Schuten und Lastkähnen wurde das ‘braune Gold‘ aus dem Moor abtransportiert, um unterhalb der Schleuse in große Tjalken umgeladen zu werden. Diese fuhren dann in den Norden und erreichten über den Dollart auch norddeutsche Städte.
Schiffbau
Die Torfschiffer waren die Begründer der moorkolonialen Schifffahrt. Am Ende des achtzehnten Jahrhunderts hatte die Seeschifffahrt hierbei einen wichtigen Anteil. Um 1800 war der Pekelder Schiffer auf offener See ein echter Frachtschiffer geworden und es dauerte nicht lange, bis man sein Schiff in den Nord- und Ostseehäfen, an der baltischen Küste, in England und Frankreich sah. Die kleine Galeere, der Scho-ner und die Brigg brachten ihn in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts auch in das Mittelmeer und sogar nach Nord- und Südamerika.
Die Entwicklung führte wie von selbst von der Schifffahrt zum Schiffbau. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte Pekela zwanzig kleine und große Schiffswerften, und zusätzlich einige Segel-, Mast-, Pumpen- und Flaschenzugwerkstätten, Seilereien und Schmieden. Als etwa 1870 die Seeschifffahrt für die Pekelder unwichtiger wurde, ging es natürlich auch mit den Zulieferbetrieben wieder bergab.
Es versteht sich von selbst, dass die größeren in Pekela gebauten Schiffe dort nicht wieder gesehen wurden, da dazu der Kanal zu schmal und zu seicht war. Die Schiffe liefen lediglich in Pekela vom Stapel, der endgültige Ausbau und das Auftakeln fanden jedoch in anderen Werkstätten in tieferem Wasser statt. Das Erreichen dieses tieferen Wassers mit den großen, noch nicht endgültig fertig gestellten Schiffen war sehr mühsam. Vor allem in Oude Pekela, wo sich heutzutage das Pekelhoofddiep an manchen Stellen noch pittoresk durch das Dorf schlängelt, war die Fahrt für große Schiffe praktisch unmöglich.
Ein wichtiges Hindernis in der freien Fahrt war das Bultsterverlaat. Wenn dort ein großes Schiff ankam, wie 1864 die Brigg Palmer mit einem Bruttogewicht von 215 Tonnen, dann schlug man mit aller Macht Spundwände vor die Schleusentüren und hinter der Brigg an die Oberseite. Dann pumpten Arbeiter den Raum zwischen den Spundwänden mit Wasser voll, sodass das Schiff gekippt werden konnte und der Kiel drei Fuß oberhalb der Wasseroberfläche herausragte. So konnte das Schiff Schritt für Schrift durch die Schleusen fahren und nachdem der unterste Damm ent-fernt worden war seinen Weg zur See fortsetzen.
Wieder Arbeit
Die bis dato intensiv betriebenen alten Industriezweige wurden nach und nach durch neue Bereiche in ungeahntem Ausmaß ersetzt. Die agrarischen Industrien stellten so viele Arbeitsplätze zur Verfügung, dass ein erneuter Zustrom von Einwohnern nach Pekela einsetzte. Schon früh im neunzehnten Jahrhundert gab es Unternehmer, die aus Kartoffeln Malzwein zubereiteten. Sie waren jedoch der Konkurrenz des Schie-dammer Jenever nicht gewachsen und verschwanden nach einiger Zeit wieder aus Pekela. Am unteren Ende von Oude Pekela entstand jedoch eine Kartoffelmehlfabrik zu der später noch eine Fabrik in der Verlaatjeswijk hinzukam. Aber auch die Existenz dieser Unternehmen war nicht von langer Dauer. Das erste war schon vor der Jahrhundertswende verschwunden, das zweite dehnte seinen Betrieb noch bis in die zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts aus.
Mehr Erfolg hatte die genossenschaftliche Boerenfabriek am Doorsnee in Nieuwe Pekela. Sie arbeitete ab 1900 bis zur Stilllegung der Produktion in den siebziger Jahren. In Oude Pekela war die Gründung von acht Strohkartonfabriken um die Jahrhundertwende herum von ausschlaggebender Bedeutung für die Entwicklung des Dorfes. Diese Industrie siedelte sich wahrscheinlich in Pekela an, weil der Ort mit seiner typisch moorkolonialen Infrastruktur am dichtesten an der größten so genannten Kornscheune der Niederlande, dem Oldambt lag. 1875 wurde dort die erste Strohkartonfabrik von Mulder und Edens gegründet, die einen Ostfriesen als Techniker in Dienst nahmen. Dieser Elso Free wurde einige Jahre später Unternehmer und Gründer und Mitbesitzer einiger Fabriken.
Kartondorf Nummer Eins
Außer der Aastroom und den Free-Fabriken hatte Oude Pekela auch noch die Erica (1889), die Wilhelmina (1896), die Ceres (1898) und die Kroon (1901). Obwohl Aastroom und Wilhelmina schon vor dem Krieg ihre Pforten schlossen, blieb die Moorkolonie am Pekelderhoofddiep bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg Kartondorf Nummer Eins. In den siebziger Jahren verringerte sich die Zahl der Standorte als Folge der Umstrukturierung in der Kartonindustrie stark, doch blieb dieser Industrie-zweig insbesondere nachdem man mit der Produktion von massivem Karton aus Altpapier angefangen hat, für Pekela von eminenter Wichtigkeit.
Nieuwe Pekela war in erster Linie eine agraische Gemeinde. Das galt im Besonderen für das Gebiet oberhalb der Doorsnee, wovon der am dichtesten bevölkerte Teil den Status eines Dorfes (Boven Pekela) bekommen hatte. In Nieuwe Pekela wurde kurz vor dem Zweiten Weltkrieg eine Papierfabrik gegründet, die aus Altpapier Karton herstellte. Zu dieser Zeit waren insbesondere die Papier-, die Früchtewein-, die Zi-garren-, die Kartonagen-, und die Trikotagenfabrik wichtig für die industrielle Betrieb-samkeit in Nieuwe Pekela.
Ein Band von zwölf Kilometern
Am Pekelderhoofddiep entlang entstand das für die Moorkolonien so charakteristische Straßendorf, weil die Torfstecher, die Bauern und die Handwerker sich beidseitig des Kanals niederließen. Die Länge der Gemeinde, gemessen am Diep entlang von der Grenze mit Winschoten bis nach Stadskanaal entspricht ungefähr einer Strecke von zwölf Kilometern. Vor allem in Oude Pekela fand am Ende des neunzehnten Jahrhunderts als Folge der stürmischen Bevölkerungsentwicklung durch die Industrialisierung die Bebauung entlang der Nebenkanäle statt.
Bildung einer geschlossenen Ortschaft
Die lang gestreckte Form der Gemeinde empfand man für die Entfaltung des Gemeinschaftslebens in Pekela als ungünstig. Um das Dorfleben zu stimulieren, sind nach dem Zweiten Weltkrieg einige Erweiterungsplätze entstanden, die die Bildung einer geschlossenen Ortschaft vorantrieben. Hierdurch wurde die so charakteristi-sche Struktur der moorkolonialen Landschaft gestört. Dieser Prozess wurde vor allem in der ehemaligen Gemeinde Nieuwe Pekela noch durch die Entfernung von Brücken und die gleichzeitige Anlage von Dämmen an deren Stelle und dem Zuschütten der meisten Nebenkanälen beschleunigt. Diese Entwicklung war insbesondere Folge der Verlagerung der Transporte vom Wasser auf die Straße.
Seit den siebziger Jahren wurden Stimmen laut, das Pekelderhoofddiep zuzuschütten des Gebietes wurde der Wildervanckkanal gegraben. Die Brücken und die schmale Hauptstraße waren für den Verkehr zu schmal. Es kam noch hinzu, dass das Pekelderhoofddiep unter Oude Pekela durch die vielen Strohkartonfabriken außergewöhnlich stark verschmutzt war. Doch konnte das Diep dort als offener Abwasserkanal nicht entbehrt werden. Schließlich wurde beschlossen, die historische moorkoloniale Struktur zu erhalten und den Kanal nicht zuzuschütten. Schließlich bestimmte das Wasser maßgeblich die Entwicklung und den Charakter der Gemein-de Pekela.
Die Geschichte der drei Dörfer, die zusammen die Pekela´s bilden, begann vor gut vierhundert Jahren mit dem systematischen Torfabbau im Gebiet entlang der Pekel Aa. Unternehmungsgeist und Dynamik charakterisierten die folgenden Jahrhunderte. Es fand eine enorme Entwicklung von Landwirtschaft, Schifffahrt und Industrie in den Dörfern statt. So hatte Oude Pekela um 1930 sieben Strohkartonfabriken. 51,5 Prozent der Arbeiter waren in der Industrie beschäftigt. Boven Pekela war eine typisch agraische Gemeinde. Nieuwe Pekela war lange Zeit ein Zentrum des überseeischen Handels, es gab sogar eine Periode in der gut 90.000 Schiffe jährlich das Pekelderhoofddiep befuhren.







